Gesunde Ernährung in stationären Pflegeeinrichtungen: Herausforderungen und Optimierungsmöglichkeiten
Die Ernährung spielt eine zentrale Rolle für die Gesundheit und Lebensqualität von Bewohnern in stationären Pflegeeinrichtungen. Eine unzureichende Nahrungsaufnahme kann schwerwiegende Folgen wie Mangelernährung, erhöhte Infektionsanfälligkeit, verzögerte Wundheilung und eine generelle Verschlechterung des Gesundheitszustandes haben. Trotz der Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung zeigen aktuelle Untersuchungen, dass Ernährungsdefizite in deutschen Pflegeeinrichtungen weit verbreitet sind.
Die Analyse der nutritionDay-Daten zeigt, dass 23 % der Bewohner deutscher Pflegeeinrichtungen untergewichtig sind, wobei 14 % einen unbeabsichtigten Gewichtsverlust aufweisen. Zudem konsumieren etwa 34 % der Bewohner nur die Hälfte oder weniger der angebotenen Mahlzeiten. Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit gezielter Ernährungsstrategien zur Vermeidung von Mangelernährung.
Verschiedene Faktoren beeinflussen den Ernährungsstatus der Bewohner. Neben physiologischen Ursachen wie Kau- und Schluckbeschwerden oder altersbedingtem Appetitverlust spielen auch strukturelle Faktoren eine Rolle. Eine Analyse der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zeigt, dass nur 30 % der Pflegeeinrichtungen über eine Diätassistenz verfügen, während in europäischen Vergleichsländern 86 % der Einrichtungen Fachkräfte im Ernährungsbereich einsetzen. Zudem fehlt in vielen deutschen Pflegeeinrichtungen eine systematische Erfassung des Ernährungsstatus, was eine frühzeitige Intervention erschwert.
Zur Optimierung der Ernährungsversorgung in Pflegeeinrichtungen sind verschiedene Maßnahmen erforderlich:
Um die Ernährungssituation in Pflegeeinrichtungen zu optimieren, sollten gezielte Maßnahmen ergriffen werden. Ein wesentlicher Bestandteil ist das regelmäßige Screening und Monitoring auf Mangelernährung, das verpflichtend eingeführt werden sollte, um frühzeitig ernährungsbedingte Risiken zu identifizieren. Nur so können rechtzeitig geeignete Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
Zudem ist die Erhöhung der Fachkompetenz im Bereich Ernährung von großer Bedeutung. Der Einsatz von Diätassistenten und spezialisierten Ernährungsteams sollte verstärkt gefördert werden, um individuell angepasste Ernährungsstrategien zu entwickeln und die Pflegekräfte fachlich zu unterstützen.
Auch die Anpassung der Speisepläne spielt eine entscheidende Rolle. Die Mahlzeiten sollten gezielt an die Bedürfnisse der Bewohner angepasst werden, indem hochkalorische und proteinreiche Speisen sowie leicht verzehrbare Nahrungsmittel bereitgestellt werden. Dies hilft insbesondere bei Bewohnern mit eingeschränktem Appetit oder Kau- und Schluckbeschwerden.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Verbesserung der Essensatmosphäre. Eine angenehme Umgebung sowie soziale Unterstützung während der Mahlzeiten können die Nahrungsaufnahme positiv beeinflussen und das Wohlbefinden der Bewohner steigern.
Schließlich sollten Ernährungsschulungen für Pflegekräfte und Angehörige angeboten werden, um das Bewusstsein für eine bedarfsgerechte Ernährung zu schärfen. Durch gezielte Schulungen können sie lernen, Bewohner individuell zu unterstützen und ernährungsbedingte Probleme frühzeitig zu erkennen.
Durch die Kombination dieser Maßnahmen kann die Ernährungsversorgung in Pflegeeinrichtungen nachhaltig verbessert und die Lebensqualität der Bewohner erheblich gesteigert werden.
Die Ernährungssituation in deutschen Pflegeeinrichtungen bedarf dringender Verbesserungen, um die gesundheitlichen Folgen von Mangelernährung zu reduzieren. Eine stärkere Integration von Ernährungsexperten, eine verbesserte Ernährungsüberwachung und gezielte Maßnahmen zur Förderung der Nahrungsaufnahme sind essenzielle Schritte zur Optimierung der Pflegequalität. Die Umsetzung dieser Maßnahmen könnte langfristig nicht nur die Lebensqualität der Bewohner steigern, sondern auch gesundheitliche Komplikationen und damit verbundene Kosten im Gesundheitswesen reduzieren.
Quelle:
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2019). 14. DGE-Ernährungsbericht – Vorveröffentlichung Kapitel 2.