Positive Psychologie im Krankenhaus: Mehr Wohlbefinden für Pflege- und Ärzteteams
Die moderne Arbeitswelt fordert mehr Teamdenken und flache Hierarchien, doch im Krankenhausalltag dominieren oft noch traditionelle Strukturen. Die Positive Psychologie bietet wissenschaftlich fundierte Ansätze, um das Wohlbefinden und die Arbeitszufriedenheit in medizinischen Berufen zu steigern. Doch wie kann sie konkret in Kliniken umgesetzt werden?
Das PERMA-Modell von Martin Seligman ist ein zentraler Ansatz der Positiven Psychologie. Es umfasst fünf essenzielle Faktoren für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz: Positives Gefühl, Engagement, förderliche Beziehungen, Sinn und Zielerreichung. Freude und Anerkennung steigern die Arbeitsmotivation, während ein hohes Maß an Einsatz und intrinsischer Motivation zu besserer Leistung führt. Gute Zusammenarbeit und respektvolle Kommunikation reduzieren Stress, während das Empfinden von Sinnhaftigkeit die Motivation und das Engagement fördert. Erfolgserlebnisse schließlich erhöhen die Zufriedenheit und das Selbstvertrauen der Mitarbeitenden.
Eine Studie aus einem deutschen Maximalversorgungsklinikum, die auf einer quantitativen Befragung von 1.333 Mitarbeitenden basiert, zeigt, dass Engagement und positives Gefühl besonders ausgeprägt wahrgenommen werden. Weniger stark empfinden Pflegekräfte und Ärzte Sinn, Zielerreichung und förderliche Beziehungen als positiv. Hierarchische Strukturen beeinflussen diese Wahrnehmungen erheblich.
In deutschen Kliniken arbeiten über 1,3 Millionen Menschen, wobei Pflegekräfte und Ärzteschaft die größte Gruppe bilden. Studien zeigen, dass starre Hierarchien, hohe Arbeitsbelastung und mangelnde Anerkennung die Arbeitszufriedenheit negativ beeinflussen können. Gleichzeitig können gezielte Maßnahmen der Positiven Psychologie das Wohlbefinden und die Zusammenarbeit verbessern.
Die Wahrnehmung von Führung spielt eine entscheidende Rolle für das Arbeitsklima. Eine aktuelle Studie ergab, dass das Führungsverhalten direkten Einfluss auf die Wahrnehmung der PERMA-Elemente hat. Besonders die Sinnhaftigkeit der Arbeit und das Engagement der Mitarbeitenden werden durch die Unterstützung von Vorgesetzten geprägt. Regelmäßiges, konstruktives Feedback fördert die Erfolgswahrnehmung, während eine transparente Kommunikation von Zielen und Aufgaben die Klarheit und Motivation der Mitarbeitenden steigert. Ein wertschätzender Umgang auf allen Hierarchieebenen trägt zusätzlich zu einem positiven Arbeitsklima bei.
Darüber hinaus haben Geschlechterunterschiede eine signifikante Bedeutung. Studien zeigen, dass Frauen ihre Arbeit oft als weniger sinnstiftend wahrnehmen als ihre männlichen Kollegen. Ebenso haben Pflegekräfte im Vergleich zur Ärzteschaft eine weniger positive Wahrnehmung ihrer beruflichen Rolle und der Hierarchie im Krankenhaus.
Die Integration der Positiven Psychologie kann durch verschiedene Maßnahmen erfolgen. Mitarbeiter-Workshops zu Resilienz, Stressbewältigung und Selbstwirksamkeit unterstützen die mentale Stärke der Mitarbeitenden. Team-Building-Maßnahmen helfen dabei, Vertrauen aufzubauen und die Zusammenarbeit zu stärken. Flexible Arbeitszeitmodelle tragen zur Verbesserung der Work-Life-Balance bei und steigern somit die Zufriedenheit. Eine etablierte Anerkennungskultur mit regelmäßigem Lob und der Feier kleiner Erfolge kann zudem die Motivation der Mitarbeitenden nachhaltig fördern. Die Implementierung einer positiven Führungskultur, die auf den Prinzipien der Positiven Psychologie basiert, kann langfristig das Arbeitsklima und die interprofessionelle Zusammenarbeit verbessern.
Ein besonderes Augenmerk sollte auf die Überwindung hierarchischer Barrieren und die Verbesserung der Kommunikation zwischen den Berufsgruppen gelegt werden. Die Schaffung eines offenen Dialogs und die gemeinsame Entwicklung von Lösungen können zur Stärkung des gegenseitigen Vertrauens beitragen. Zudem sollten Maßnahmen zur Förderung von Diversität und Inklusion in den Klinikalltag integriert werden, um eine faire und wertschätzende Arbeitsumgebung für alle Mitarbeitenden zu gewährleisten.
Die Positive Psychologie bietet effektive Strategien zur Steigerung der Arbeitszufriedenheit im Krankenhaus. Durch gezielte Maßnahmen können Führungskräfte und Teams das Arbeitsklima verbessern, Motivation steigern und die Zusammenarbeit optimieren. Ein Wandel in der Unternehmenskultur hin zu mehr Wertschätzung und Teamgeist kann langfristig zu besseren Ergebnissen für Mitarbeitende und Patienten führen. Die Ergebnisse der aktuellen Studien verdeutlichen, dass insbesondere die Führungsebene einen wesentlichen Einfluss auf das Wohlbefinden der Mitarbeitenden hat. Indem Krankenhäuser gezielt Strategien der Positiven Psychologie in ihre Arbeitsprozesse integrieren, können sie nicht nur das Arbeitsklima verbessern, sondern auch langfristig die Qualität der Patientenversorgung steigern.
Quelle
Erlenberg, R. M., & Günther, H. J. (2025). Positive Psychologie im Krankenhaus: Wechselwirkungen im Arbeitsalltag von Pflege- und Ärzteschaft. HeilberufeScience, 1-17. https://doi.org/10.1007/s16024-024-00425-w